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"Die Erfolge von motivierten Menschen sind vielfach höher und in schlechteren Zeiten bewältigen sie auch Krisen besser" - Fragen an Andreas Engelhardt

Vertrauen statt Druck, so lautet das Führungsmotto von Andreas Engelhardt. Mit dem Führen von Menschen hat er Erfahrung. Zusätzlich zu seinem politischen Engagement - unter anderem als Mitglied des Landtags NRW - hatte er Leitungsfunktionen bei sechs verschiedenen Unternehmen inne, darunter die Illbruck-Gruppe und die Prym GmbH & Co. KG. Heute führt er als persönlich haftender Gesellschafter die Schüco International KG.

 

Herr Engelhardt, Welche Führungskraft unter der Sie selbst gearbeitet haben war für Sie die Beste? Was hat diese Führungskraft richtig gemacht?

Während und nach meiner Ausbildung war mein damaliger Chef der Inhaber des Unternehmens. Er war vorbildlich im Umgang mit Kunden, seinen Mitarbeitern, unabhängig von der Größe der Umsätze oder der Verantwortung im Unternehmen. So hat er seine Gesprächspartner (und damit Entscheider) immer für sich und seine Sache gewinnen können. Bei ihm habe ich viel gelernt. Die Nähe meines damaligen Chefs zu den Menschen hat mich sehr inspiriert. So war er es, der grundsätzlich mit persönlicher Begrüßung durch Büros und Fertigung ging. Immer hatte er ein persönliches Wort übrige und hörte zu, was die Menschen bewegte. So bekam er ständig Stimmungen mit und Ideen und Vorschläge für besseren Service und effizienterer Prozesse.

Wer hat Ihnen einen Rat gegeben, der Ihnen in Bezug auf Führung besonders geholfen hat?

Der wichtigste Rat kam von meinem ersten Chef: Öffne stets deine Gedanken, schau, was außerhalb deiner Firma und deiner Verantwortung läuft. Interessiere dich, für das, was nicht alltäglich ist.
Meine erste Management-Lektüre waren die Aufzeichnungen von Jack Welch, dem damaligen CEO von General Electric: "Straight from the Gut und Winning". Die haben mich inspiriert vor allem mit der Einschätzung der menschlichen Stärken und Schwächen umzugehen, Veränderungen im Unternehmen zu etablieren und durchzusetzen und auch in Krisensituationen zu führen.

Bei Besuchen in die internationalen Standorte wurde immer mit dem Management gefrühstückt und mit der Mannschaft gemeinsam ein Imbiss eingenommen. Hieraus habe ich mein CEO Frühstück entwickelt, dort bringen wir bis zu 10 Mitarbeiter/innen aus verschiedenen Bereichen zusammen. Eine gute Tradition, die es mir ermöglicht, hunderte von Kolleginnen und Kollegen näher kennenzulernen.
Ganz praktisch sind die Fahrten im Ausland von Firma zu den Kunden. Im „speed dating“ Verfahren ist jeweils eine andere Führungskraft während der Tour mit mir im Auto. So gibt es Dutzende von Führungskräfte-Vier-Augen-Gesprächen.

Von welchem Rat, den Sie als Führungskraft bekommen haben, nehmen Sie heute Abstand und warum?

Immer dann, wenn jemand sagte, das geht nur mit Druck, war und bin ich raus. Ich habe mein Prinzip nie verlassen, und auf Motivation und Überzeugung gesetzt. Das bedeutet nicht, dass man auch hier und da deutlicher in seiner Erwartungshaltung artikulieren muss. Aber die Erfolge von motivierten Menschen sind vielfach höher und auch in schlechteren Zeiten bewältigen sie auch Krisen besser.

Wie stellen Sie als Führungskraft sicher, dass Ihre Mitarbeitenden autonom arbeiten und dabei Höchstleistung bringen?

Ein hohes Maß an Vertrauen, dass jeder selbst seinen eigenen Beitrag zugunsten der Firma bringt. Da passiert es schon mal, dass es ausgenutzt wird. So etwas regelt sich aber oft unter den Kollegen. Richtige Ausfälle sind eher selten, weil die Unternehmenskultur das auch nicht hinnimmt.


"Es ist wichtig, sich als Führungskraft niemals unfehlbar oder allwissend einzuschätzen."



Welche Situationen fallen Ihnen persönlich besonders schwer?

Harte Personalentscheidungen sind immer eine große auch persönliche Belastung, hier zählt Ehrlichkeit und Verlässlichkeit auch in schwieriger Situation.

Wie begegnen Sie diesen Situationen persönlich?

Auch bei schwierigen Personalentscheidungen gilt das Vertrauen gegenüber den Betroffenen und eine angemessene Kommunikation. Das ist oft nicht mit einem Termin getan, sondern erfordert mehr persönlichen Einsatz und Erklärungen. Ich habe festgestellt, dass persönlich - auch mehrfach - erklärte Erfordernisse bei den Betroffenen zu mehr Verständnis führen. Dazu gehört auch, dass man sich aufrichtig um die Zeit danach bemüht und dem Einzelnen Wege in die Zukunft zeigt und auch begleitet.

 

Welche Empfehlung in Bezug auf Führung möchten Sie in das Lehrbuch jeder Nachwuchs-Führungskraft schreiben?

In das Lehrbuch würde ich schreiben: Führung funktioniert nur mit Vertrauen und Respekt. Wer Vertrauen gibt, wird überwiegend sehr gute Motivation und Ergebnisse erzielen. Dann ist es wichtig, sich als Führungskraft niemals unfehlbar oder allwissend einzuschätzen. Führen bedeutet auch, sich mit erstklassigen Menschen zu umgeben, die auch Dinge besser können und wissen als man selbst. Das zu orchestrieren macht stark ohne Druck.

Welche „Leadership Hacks“ haben Sie für sich entdeckt?

Never eat alone. Wenn ich im Hause bin, verbringe ich immer das Mittagessen in unserer Lounge spontan an einem anderen Tisch. So halte ich sehr eng Kontakt zum Team und bekomme direkt Stimmung, Wünsche und Anregungen mit.

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